Pyrenäenfrieden


Pyrenäenfrieden
I
Pyrenäenfrieden,
 
zwischen Frankreich und Spanien am 7. 11. 1659 auf der Fasaneninsel im Grenzfluss Bidasoa geschlossener Frieden, der den seit 1635 geführten Krieg beendete und die durch den Frieden von Cateau-Cambrésis (1559) geschaffene Situation grundlegend revidierte. Spanien trat die Grafschaften Roussillon und Cerdagne nördlich der Pyrenäen ab, die jetzt die Grenze bildeten, ferner Teile des Artois, des Hennegaus, von Flandern und Luxemburg und verzichtete auf alle Rechte an den Gebieten, die Frankreich im Westfälischen Frieden von Österreich erhalten hatte. Frankreich gab den unter seinem Einfluss verbleibenden Herzögen von Lothringen, Savoyen und Modena ihre Besitzungen zurück. Ein mit dem Pyrenäenfrieden gekoppelter Heiratsvertrag zwischen Ludwig XIV. und der spanischen Königstochter Maria Theresia eröffnete dem Haus Bourbon die Aussicht auf das Erbe der spanischen Habsburger (Spanischer Erbfolgekrieg). Der Pyrenäenfrieden beendete die spanisch-habsburgische Vormachtstellung in Europa, er gab Frankreich die Ausgangsposition für den Vorstoß auf die Niederlande und die Westgrenze des Heiligen Römischen Reiches.
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
 
Spaniens Hegemonie im 16. und 17. Jahrhundert: Katholische Vormacht
 
II
Pyrenäenfrieden
 
Die letzte Phase des Dreißigjährigen Krieges war vom französisch-habsburgischen Gegensatz geprägt gewesen. Während Frankreich und der Kaiser im Westfälischen Frieden von 1648 zu einer Regelung kamen, ging der spanisch-französische Krieg zunächst weiter.
 
Die Politik Frankreichs wurde jetzt immer deutlicher von Hegemonialbestrebungen beherrscht. Schon nach dem Tod Kaiser Ferdinands III. (1608-57, Kaiser seit 1637) hatte Frankreich den Anspruch auf die Kaiserwürde im Reich erhoben. Ludwig XIV. trat als Erbe der Kapetinger auf. Bei der inneren Zerrissenheit des Reiches schien die Kandidatur des französischen Königs nicht aussichtslos; schließlich wurde aber der Habsburger Leopold I. (1640-1705) 1658 zum Kaiser gewählt, nachdem ihm allerdings jede Hilfeleistung für Spanien untersagt worden war.
 
Die Gründung des (ersten) Rheinbundes von 1658 bedeutete eine weitere Schwächung der spanischen Position. Die Kurfürsten von Mainz, Trier und Köln schlossen sich mit einigen anderen Fürsten unter Einschluss Frankreichs zu einer Allianz zusammen, die vor allem den Durchmarsch österreichischer Truppen in die Spanischen Niederlande verhindern sollte. Noch fürchteten die Reichsfürsten die Habsburger mehr als Frankreich. Der neue Kaiser war mit einer Tochter Philipps IV. von Spanien verlobt, sodass ein Wiederaufleben des habsburgischen Großreiches wie zu Zeiten Karls V. zu befürchten war.
 
Wie weit die französische Diplomatie reichte, zeigt die Intervention zugunsten Schwedens, das sich im Ersten Nordischen Krieg von einer Übermacht, bestehend aus Polen, Dänemark, Holland, Brandenburg und dem Kaiser, hart bedrängt sah. Mit dem Tod Oliver Cromwells im Jahre 1658 schien zudem einer der größten Konkurrenten um das spanische Erbe in Übersee geschwächt. In dieser Situation schloss Frankreich mit Spanien am 7. November 1659 den Pyrenäenfrieden, der den seit 1635 geführten Krieg beendete. Die Gebietsgewinne Frankreichs waren nicht bedeutend, schufen aber die Basis für die weitere Hegemonialpolitik. Es sicherte sich seine Rechte im Elsass, den Pyrenäenkamm als Grenze zwischen Frankreich und Spanien, die Hoheit über Lothringen und einige Teile der spanischen südlichen Niederlande; Spanien verzichtete auf diejenigen Gebiete, die Frankreich im Westfälischen Frieden von Österreich erhalten hatte. Vor allem aber wurde eine Ehe zwischen Ludwig XIV. und Maria Theresia, einer Tochter Philipps IV. von Spanien geschlossen. Zwar musste Maria Theresia im Heiratskontrakt formell auf alle Erbansprüche auf Spanien verzichten, was aber nicht verhinderte, dass diese in Zukunft die Rechtfertigung für die Hegemonialkriege Ludwigs XIV. liefern sollten.
 
Mit dem Pyrenäenfrieden endete die spanisch-habsburgische Vormachtstellung in Europa. In den überseeischen Gebieten entbrannte der Kampf um die spanischen Kolonien zwischen Holland, Frankreich und England.

Universal-Lexikon. 2012.

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